Supervision

Ein früher Morgen,die Sonne geht auf,
in den Tälern liegt noch die Feuchtigkeit der Nacht,
die Luft schmeckt nach dem Duft von feuchter Erde,
und die Sonne löst allmählich den Nebel auf.

Dieses Bild ist für mich eine schöne Metapher für das Unbewusste:
Der Ausblick scheint so klar, doch im Tal unter dem Nebel liegt wie unsichtbar eine ganze Stadt.

Ich weiß, dass Supervision nicht poetisch ist, noch ist sie harmonisch und schon Mal gar nicht die
Vorstufe zum Glück. Aber sie ist der Versuch Antworten auf Fragen zu finden, die das Leben in der
Arbeit stellt. Dabei geht es oft um Konflikte oder eben um Fragen, auf die man gerade keine
Antwort weiß oder um solche für die es vielleicht auch keine abschließende Antwort gibt.

Meine Vision von Supervision ist jenseits aller Debatten, wer Recht hat oder nicht, wer gut ist oder
schlecht, einen Dialog zu führen. Die Bedeutung eines Problems oder einer Frage scheint mir weit
wichtiger für die Lösung als ein Richterspruch. Wer sich und den anderen achtet und Achtung in
seinen zwei Bedeutungen: Vorsicht und Respekt entgegenbringt, hat größere Aussicht auf Erfolg.
Supervision bedeutet den Überblick zu behalten und eine 'super Vision' zu haben, heißt zu
wissen, wo man hin will und auch dorthin zu gehen.

Soziale Arbeit und erzieherisches Handeln braucht klare Haltungen.
Menschen, die in der Sozialen Arbeit und im erzieherischen Handeln tätig sind, leisten eine sehr
harte Arbeit. Diese Arbeit kompensiert schließlich gesellschaftliche Lücken und gesellschaftliche
Ausgrenzung und sie ist deshalb so schwer, aber auch so spannend und so sinngebend.
Die Menschen, die in dieser Arbeit tätig sind, brauchen viel Kraft, Optimismus und Know How,
auch und vor allem deshalb, weil es den Menschen, die sie betreuen, nicht immer leicht fällt, die
angebotenen Hilfen anzunehmen.
Jedoch manchmal hat die Seele „Muskelkater“ und dann schmeckt die Arbeit eher nach
Erschöpfung als nach Herausforderung.

In solchen Momenten brauchen wir Anerkennung. Wir brauchen die Energie auch für uns selbst zu
sorgen und wir brauchen Antworten auf die Fragen, die sich uns in unserer Arbeit stellen.
Wer in der Sozialen Arbeit und im erzieherischen Handeln tätig ist, der weiß, es bedeutet sich auf
einen lebenslangen Lernprozess einzulassen. Es ist kein Studium, dass man einmal abschließt,
sondern hiermit beginnt erst die Lebensschule, in der wir lernen und wachsen, vor allem dann,
wenn wir mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.

Wenn wir mit Menschen arbeiten, die in Not geraten sind, dann brauchen wir Achtsamkeit im
Umgang mit ihrer Not. Um damit den Respekt für die Menschen auszudrücken, ihre vermeintliche
Schuld in Verantwortung umzudeuten und im Dialog mit ihnen neue Wege zu finden. Not überrollt
und sie ergießt sich in Form von Scham auf den, der in Not geraten ist. Jedoch hat Not noch einen
ihr eigenen Charakter: Sie zieht in die Zellen des Helfers ein, so wie die Feuchtigkeit der Nacht
klamm die Täler mit Nebel füllt. Und dann brauchen wir Licht und Erkenntnis, um uns selbst wieder
zu spüren und einen inneren Reinigungsprozess zu beginnen, damit wir wieder in unserer uns
eigenen Größe leben können.

Methodisches Vorgehen in der Supervision:

Ich habe eine psychoanalytische Ausbildung. Hier werden Methoden gerne als eine Form der
Abwehr, des Widerstandes gewertet. Ich habe gelernt, meine Supervisionen nicht zu planen,
sondern offen zu sein, für das was die Menschen, mit denen ich arbeite, bewegt. Im Laufe meiner
30jährigen Berufserfahrung habe ich viele Methoden gelernt und kann diese auch dann, wenn es
Sinn ergibt, einbringen. Die Methodenlosigkeit bringt manchmal eine „Schwere“ mit sich,
sogenannte regressive Prozesse. Das ist auch gut, aber manchmal kann man auch mit Lachen
und Freude emotional wachsen. Es muss nicht immer schwer sein und es muss nicht immer weh
tun. Supervision sollte immer eine Bereicherung sein, eine Zeit sich einen neuen Blickwinkel zu
erarbeiten und seine Haltung zu reflektieren. Dafür stehe ich Ihnen gerne mit meiner gesamten
Aufmerksamkeit, meiner Direktheit, unter Umständen meinen Nerven und meinem Wissen zur
Verfügung.

Supervision braucht einen geschützten Raum und Zeit, um sich über die Deutungen und
Bedeutungen frei austauschen zu können.

Der geschützte Raum bedeutet: Was in der Supervision besprochen wird, geht nicht nach Außen.
Konflikte können so angstfreier ausgesprochen werden und erst wenn man sie wirklich verstanden
hat, können Strategien für ihre Lösung erarbeitet werden. Diese gehen dann, wenn nötig und mit
klaren Absprachen nach Außen.
Geschützte Zeit bedeutet: wenn die Supervision stattfindet, klingeln keine Handys und auch sonst
gibt es keine Ablenkung. Voraussetzung für Supervision ist Konzentration und Fokussierung.

Es gibt keine Lösung, sondern nur Menschen, die lösen! Darin leite ich den Prozess.
Sie 'tun' lösen!

Supervision hat zum Ziel neue Wege zu gehen. Die können ganz unterschiedlich sein.
Mal sind es (vermeintlich) schnelle Wege,

andere Wege geht man zu Fuß

wieder andere sind überhaupt gar keine Wege, sie sind off road – man weiß nicht, wo sie hinführen

und manchmal geht es darum im Fluß zu sein...